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Ankunft in der akllawasi

Anna und Anastasia fahren mit einer Kutsche zur akllawasi, wo sie auf Angerona treffen.

„Unsere Eltern sind nicht da. Unsere Mutter sagte mir heute Morgen, dass sie und unser Vater mit der Kutsche zu Antigone fahren werden. Vielleicht sei Anastasia ja bei ihr. Eigentlich wollten unsere Eltern bei Ihrer Ankunft wieder hier sein. Warum müssen Anna und Anastasia denn unbedingt heute in der akllawasi ankommen?“, meinte Mala. Der Vertreter erwiderte daraufhin: „ Eigentlich sollten die beiden doch schon gestern in der akllawasi sein. Wir diskutieren jetzt nicht über die Vorschriften. 

Wann sind eure Eltern  denn losgefahren? Wie lange dauert es denn zu dieser Antigone? Wer ist das überhaupt?“ Mala erwiderte ihm: „Antigone ist Anastasias beste Freundin. Die beiden wollen zusammen nach Köln pilgern, um dort dann zusammen bei unserer Tante Hildegard zu leben. Das wollen unsere Eltern aber nicht….“ „Komm jetzt nicht von Hündchen auf Stöckchen! Du hattest mir nicht gesagt, wo diese Antigone wohnt!“ „Das hätte ich Ihnen schon noch erzählt. Antigone wohnt  in Heustate.“ „Bis Heustate dauert es mit der Kutsche etwa eine Dreiviertelstunde.“ „Genau. Unsere Eltern sind um 07.00 Uhr losgefahren und jetzt haben wir 10.30Uhr. Sie könnten also längst wieder zurück sein.“

„Guten Morgen! Was ist denn hier los? Sind Sie der Vertreter  der Regierung, der Anna und mich nach Mariapolia bringt“, fragte Anastasia die drei, während sie aus dem Fenster ihres Zimmers, welches  sich  im 2. Obergeschloss direkt über der Haustür befand, blickte.  Anna und Mala schauten verdattert und der Vertreter entgegnete fluchend: „Ja, der bin ich. Würdest du die Freundlichkeit besitzen, sofort hinunter zu kommen!“ Anna fragte direkt im Anschluss auch ziemlich sauer:„Anastasia! Seit wann bist du wieder da? “ Anastasia antwortete: „Reg dich nicht auf! Ich bin in der Nacht wiedergekommen. Selbstverständlich komme ich jetzt sofort runter und dann können wir auch direkt los nach Mariapolia.“ 

So geschah es dann auch. Anna und Anastasia redeten auf der Kutschfahrt kein Wort miteinander. Die Fahrt dauerte sieben Stunden bei einer 24 Kilometer langen Strecke von Wellingstein im  äußersten Norden des Großherzogtums bis in den äußersten Süden, wo sich die Hauptstadt Mariapolia befand. Zuerst fuhren sie auf einem Feldweg. Links und rechts wurde Getreide angepflanzt. Dann durchquerte die  Kutsche  Willer, mit ca. 120 000 Einwohner  die größte Stadt  des Großherzogtums. Sie kamen an der bombastischen Kathedrale von Willer vorbei, welche dem Hl. Dominikus geweiht war. Ebenso passierten sie den städtischen Park mit seinem bronzefarbenen 5 Etagen hohen Springbrunnen. Auf der letzten Etage war  die Statue eines Uhus im Landeanflug zu sehen. In dem Park befanden sich auch viele verschiedene Blumenbeete und ein buddhistischer Tempel.

Als sie Willer verlassen hatten, kamen sie sofort wieder auf einen Feldweg, welcher sie durch einen Wald führte. Nach der Waldfahrt gelangten sie in ein Dorf. Dort gab es aber außer ein paar Häuser und vier Bauernhöfe nichts zu sehen. Doch an einem Dorfteich kamen sie auch noch vorbei. Das Dorf schien auch gar keinen Namen zu haben. Sehr seltsam. Bevor sie endlich Mariapolia erreichten, überquerten sie eine Brücke, unter welcher die Geschma floss. Direkt nach Stadtbeginn erreichten sie die akllawasi. 

 „ Von einer Ablehnung habe ich nichts gesagt. Im Gegenteil, ich finde es eine gute Idee und verstehe nicht, warum deine Eltern daran Anstoß nehmen. Weil du zu Hause ausziehen möchtest? Das kannst du dir ja nochmal durch den Kopf gehen lassen“  „Ich möchte nicht heiraten und Kinder haben, so wie sich  meine Eltern das für mich vorstellen. Sie zwingen mich regelrecht dazu, in einer Woche an meinem dreizehnten Geburtstag Joel zu heiraten.“ 

„ Im Großherzogtum heiraten die Mädchen nunmal üblicherweise mit dreizehn Jahren. Ich kenne aber auch welche, die dieser ungeschriebenen Regel nicht folgen. Meiner Meinung nach solltest du selber entscheiden. Man sollte niemanden vorschreiben, Kinder in die Welt zu setzen. Meine Frau und ich haben auch keine. Die Geburtenrate im Großherzogtum ist  ziemlich hoch. Sie steigt jedes Jahr weiter an.  Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wo das noch hinführen soll.  Wenn es uns an einem nicht mangelt, dann an Kindern.“  „ Es freut mich, dass sie die Ansicht meiner Eltern nicht teilen.“ Der Kutscher schaut auf seine Armbanduhr und meinte dann: „Ihr zwei solltet euch jetzt ratzfatz auf den Weg zur Rezeption der akllawasi machen.“ 

An der Rezeption treffen die beiden Schwestern  auf eine Göttin, welche sie begrüßt: „Herzlich willkommen Anastasia und Anna in der akllawasi zu Mariapolia! Ihr seid genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort gelandet. Anna, du wirst gleich von den beiden mamakuna Kallisto und Isadora in Empfang genommen. Sie bringen dich auch auf dein Zimmer. Anastasia, du wirst nicht wie deine Schwester zur aklla ausgebildet. Du wirst dich stattdessen auf eine Suche begeben. Mehr wird hier aber jetzt nicht verraten.“ Dann war die Göttin wieder weg. Die Schwestern sagten nichts, sie schwiegen wie ein Grab. Ihre Gedanken kreisten. Wer um Himmels willen war diese Geheimnisvolle? Was wird hier gleich geschehen ?  Kallisto und Isadora waren jedenfalls noch nicht zu sehen. 

Ganze zehn Minuten später war die Göttin wieder da: „Entschuldige, ich hatte noch etwas im Ofen, was sonst verbrannt wäre. Wo waren wir stehen geblieben? Genau, ich bringe dich Anna jetzt zu Kallisto und Isadora und du Anastasia wartest hier. Wieder zehn Minuten später war die Göttin zurück: „Also jetzt, wo deine Schwester versorgt ist, komme ich zu dir. Anna soll nicht wissen, was du für eine Aufgabe erhältst. Im Grunde soll das in diesem Hause gar keiner erfahren. Anna denkt jetzt, dass du irgendetwas suchst. Ich sage dir aber, das angeblich Gesuchte ist schon da.“

 „Entschuldigen Sie, ich kann nicht ganz folgen, aber vielleicht wären Sie erstmal so freundlich und sagen mir, mit wem ich es hier eigentlich zu tun habe.“  „Selbstverständlich sage ich dir  meinen Namen. Ich bin Angerona, Göttin des klugen Stilschweigens  und des geheimen Wissens. Ich wollte dir erklären, dass du nichts suchen musst. Der Traumfänger, den ich dir jetzt gebe, ist nämlich schon da.“ 

„Warum erhalte ich diesen wunderschönen Traumfänger. Eigentlich sollte ich doch lediglich die Begleitperson von Anna sein, weil sie unbedingt eine benötigt.“  „Liebes Kind, du und deine Freundin Antigone seid zu mehr bestimmt.“ „Ich versteh kein einziges Wort, von dem was Sie sagen. Was hat denn jetzt Antigone mit der ganzen Sache hier zu tun?“ „Atme tief durch! Eine akllawasi ist der ideale Ort für kluges Stillschweigen“  „Warum sollen immer alle zu Ruhe kommen, sind wir dann nicht tot?“ „Der Fokus liegt auf dem gegenwärtigem Moment. Jetzt komm mit mir mit!“ 

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