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SAMMSNESS

Sinnerfülltheit

Die meisten Menschen haben zwar eine Vorstellung davon, was mit „Lebenssinn“ gemeint ist, müssten sie dies allerdings  in Worte fassen, wird es ihnen eher schwerfallen. Die Komplexität zeigt sich auch in den verschiedenen Definitionen von Lebenssinn. So gibt es nicht die „eine“ Definition, vielmehr werden in der Literatur verschiedenste Facetten von Lebenssinn thematisiert. 

Der etymologische Ursprung des Begriffs Sinn ist „Gang, Reise, Weg“ (die indogermanische Wurzel lautet  *sent- „gehen, reisen, fahren“). Auch die Verbform sinnen bezieht sich auf den gleichen Sachverhalt, nämlich „die Gedanken auf etwas richten, streben, begehren, gehen, sich bewegen“. „Streben“ und „eine Richtung nehmen“, kommt in Definitionen von Sinn immer eine entscheidende Bedeutung zu. Wie sich bereits aus der Geschichte des Wortes Sinn erschließen lässt, geht der Sinnfindung ein Prozess der Sinnsuche voraus. So lässt sich kein feststehender Sinn ausmachen, sondern jeder Mensch muss seinen eigenen Sinn entwickeln.

Die Frage nach „dem Sinn in unserem Leben“ wird in der Geschichte der Menschheit immer wieder in den Blick genommen und in unterschiedlichen Bereichen, wie beispielsweise der Religion, der Literatur, der Philosophie beleuchtet. Vor allem die Philosophen des Existenzialismus wie Martin Heidegger, Jean Paul Satre oder Søren Kierkegaard haben sich mit der Existenz des Menschen und seiner Stellung in der Welt auseinandergesetzt. Während sich die Philosophie eher mit dem höheren Sinn im Leben, dem cosmic meaning befasst, geht es in der Psychologie um den irdischen Sinn. Dieser wird auch personal meaning genannt, wobei das Hauptaugenmerk auf der bewusst gewählten, individuellen Gestaltung des Lebensweges liegt. 

Die Sinnerfüllung kann als tragende, selten bewusste Lebensgrundlage angesehen werden. Dem gegenüber ist die Sinnkrise Ausdruck der subjektiven Wahrnehmung eines Sinnbruchs oder eines Mangels an Sinn.  Im Unterschied zur Sinnerfüllung wird eine Sinnkrise bewusst wahrgenommen und problematisiert.  

Wenig sinnerfüllte Menschen müssen allerdings nicht notwendigerweise eine Sinnkrise erleben. In diesem Zusammenhang spielt die existenzielle Indifferenz eine wichtige Rolle. Diese zeichnet sich  durch geringe Sinnerfüllung aus, ohne dass gleichzeitig eine Sinnkrise vorliegt. Existenziell indifferente Menschen setzen sich allgemein wenig mit sich selbst oder dem Thema Sinn auseinander. Auch wenn bei ihnen keine Sinnkrise feststellbar ist, erleben sie im Allgemeinen ihr Leben als weniger intensiv. 

Achtsamkeit 

Achtsamkeit ist in Mode, sie verspricht mehr Zufriedenheit und Freude im Leben.  Mittlerweile sind auch viele Wissenschafter*innen davon überzeugt, dass mit Achtsamkeit – oft wird auch von Achtsamkeitsmeditation gesprochen – das Wohlbefinden gesteigert werden kann. 

Achtsamkeit hat viele Bedeutungen. Das Konzept kommt aus dem Buddhismus, wo sie  das Tor zur Weisheit darstellt.

Achtsamkeit bedeutet körperlich und mental im Hier und Jetzt zu sein, wobei es sich bei den meisten Menschen um keinen Normalzustand handelt. Viele verharren mit ihren Gedanken entweder in der Vergangenheit, oder denken über die Zukunft nach. Bei der Achtsamkeit geht es darum innezuhalten, wahrzunehmen und anzunehmen, was im gegenwärtigen Moment ist.

Bei Achtsamkeit handelt es sich um  viel mehr als ausschließlich um ein Beruhigungsmittel. Ruhe zu finden ist wohl eher ein angenehmer Nebeneffekt. In der Stille des gegenwärtigen Moments kann sich die Vernetztheit allen Lebens zeigen: Leben ist Beziehung und ereignet sich nur als dynamisches Geschehen. 

Achtsamkeit hat auch etwas mit Ethik zu tun. Der Kern der buddhistischen Form der Achtsamkeit ist eindeutig auf heilsame, förderliche Kräfte des Geistes gerichtet wie ein ethisches Bewusstsein und Mitgefühl. Die Achtsamkeit benötigt ein ethisches Fundament. Es geht darum, sich geistig zu sammeln und sich auf diese Weise auf seine inneren Werte zurückzubesinnen. Achtsamkeit bedeutet, sich immer wieder im Alltag neu auszurichten und sich an die eigenen ethischen Ideale zu erinnern. 

Mystik 

Mystik leitet sich sowohl von griech. μύειν (myein) „ (die Augen, den Mund) verschließen, stille sein“ als auch von griech. μυστήριον (mysterion) „Geheimnis“ ab. Oft wird mit Mystik zunächst Geheimnisvolles, Übernatürliches, Innerlichkeit und tiefe religiöse Erfahrungen, dann ebenso außergewöhnliche Entgrenzungs- oder Verschmelzungserlebnisse des Einswerdens mit Gott oder dem Göttlichen bzw. der All-Einheit in Verbindung gebracht. 

Bei einer mystischen Erfahrung handelt es sich nicht per se um etwas Religiöses, sondern um eine menschliche Möglichkeit. Sie bildet sich im jeweiligen religiösen Kontext als personale oder apersonale  Mystik, als Kontemplation oder Versenkung, ekstatisches Hingerissenwerden, oder meditative Innigkeit aus. 

Eine mystische Erfahrung erfolgt spontan. Zumeist wird sie durch ein methodisches Vorangehen vorbereitet. Dabei kommen verschiedene asketische oder meditative Techniken zum Einsatz. In der Regel wird ein mehrstufiger, Disziplin erfordernder Weg vorausgesetzt, welcher durch einen spirituellen Lehrer (Mystagoge, Seelenführer) angeleitet wird. Als Ziel wird die Schau, das Entwerden oder eine andere Vollkommenheit, beispielsweise durch Läuterung und Erleuchtung, in Aussicht gestellt.

Mythos

Eine Definition von Mythos lautet: „Ein Mythos ist ein polymorpher und polystrater Erzählstoff, in dem sich transzendierende Auseinandersetzungen mit Erfahrungsgegenständen verdichten“  (Zgoll 2019: 563).

Polymorphie bedeutet, dass jede/r Mythos/Figur nicht in einer „Einform“, sondern ausschließlich in einer „Vielform“ vorkommt. Es gibt nicht „den“ Mythos, ein mythischer Stoff existiert stets in Form vieler Varianten. Mythen/mythische Figuren sind „polymorph“.

Polystratie meint, dass es sich bei Mythen/ mythischen Figuren nicht um einheitliche, von einem*einer Autor*in entworfene Gebilde handelt. Mythen/mythische Figuren beinhalten Elemente verschiedenster Herkunft, weisen unterschiedliche „Strate“ auf. Mythen/mythische Figuren sind „polystrat“.

Ich werde unter dieser Rubrik keine wissenschaftlichen Essays verfassen, sondern Mythen in Eigenkreation.

Die Texte sind  durch verschiedene  Mythologien inspiriert:

  1. Indogermanischer Sprachraum: griechische, römische, germanische und keltische Mythologie
  2. Süd- und Mittelamerika: Mythologie der Azteken und Inka
  3. Asien: chinesische und japanische Mythologie.

Die Mythen bestehen alle aus mehreren aufeinander aufbauenden Teilen. Den Anfang macht die Geschichte „Wilhelmina auf der Suche„. 

Spiritualität

Spiritualität wurde früher im Christentum oftmals als „Frömmigkeit“, im Islam und anderen Religionen u.a. auch als „Geistigkeit“ angesehen. Der Begriff stammt aber nicht nur aus den traditionellen großen Religionen, sondern ebenso aus den vielen religiösen Bewegungen der Jahrzehnte. Spiritualität  wird von esoterischen Spezialanschauungen als Inhalt in Anspruch genommen. Der Begriff tritt auch als Marketingprodukt auf dem Sinngebungsmarkt in Erscheinung. 

Durch eine humanistische Spiritualität ohne Transzendenzbezug, welche z.B. der Dalai Lama vertritt (mit grundlegenden menschlichen Werten wie Güte, Freundlichkeit, Mitgefühl und der liebevollen Zuwendung) sowie die säkularisierte Spiritualität entsteht eine Erweiterung hin zu einem Sammelbegriff, dessen Aussage sich immer mehr als unspezifisch erweist. 

Andererseits hat der Begriff mit diesem sehr weit gefassten Verständnis aber auch Eingang in Resolutionen der WHO gefunden. Für die WHO ist jeder Mensch spirituell, da er sich spätestens in Anbetracht des Todes existenziellen Fragen stellen muss. Im Jahr 1998 definiert sie auch Gesundheit wie folgt: „Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen, spirituellen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen. 

Heute fungiert das Konzept Spiritualität als anthropologische Kategorie, um die existenzielle Lebenshaltung insbesondere in Grenzsituationen zu beschreiben. 

Es ist möglich, Spiritualität als die  Bezogenheit auf ein größeres Ganzes zu definieren, welche inhaltlich entweder religiös („Gott“), spirituell („Energie“) oder säkular („Natur“) ausdifferenziert wird. 

Quellen

Mönter, Norbert (2022), Definitorische Vorbemerkungen zu Religion, Glauben und Spiritualität, in: Mönter, Norbert (Hg.), Religiöser Glaube und Spiritualität. Wandel und Vielfalt aus psychiatrischer und psychotherapeutischer Sicht, 1. Auflage, Stuttgart, 19–21. 

https://ethik-heute.org/achtsamkeit-eine-einfuehrung/ , abgerufen am 25.05.2023

https://www.ezw-berlin.de/publikationen/lexikon/mystik/, abgerufen am 24.05.2023.

https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/psychologie/achtsamkeit/index.html, abgerufen am 25.05.2023 

https://www.sinnforschung.org/wp-content/uploads/2014/12/Diplomarbeit_Thueringer_Sinn_Ansehen.pdf, abgerufen am 24.05.2023. 

Zgoll, Christian (2019), Tractatus mythologicus. Theorie und Methodik zur Erforschung von Mythen als Grundlegung einer allgemeinen, transmedialen und komparatistischen Stoffwissenschaft, in: Zgoll, Annette / Zgoll, Christian(Hgg.), Mythological Studies (MythoS), Band 1, Berlin / Boston. 

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Herzliche Grüße von Viridis Verde 2024