Jetzt wird’s mythisch

Marian und Gregorian im Wald (2)

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Marian und Gregorian finden eine Toga, eine Armbanduhr, eine Kette und einen seltsamen Zettel.

Mictlantecuhtli schrie die Zwillinge so an. Er saß nun über den vier, also den Zwillingen Gregorian und Marian und dem Weingott Dionysos und seinem ach so geliebten aber nunmal toten Gefährten Ampelos, in genau dem Baum, von welchem der Satyr soeben hinuntergefallen war. Kann sich noch irgendeiner daran erinnern, wie es zu diesem Sturz gekommen war? Dionysos hielt jedenfalls die Zwillinge eindeutig für schuldig. Denen wurde das alles zu blöd und sie wollten sich vom Acker machen. Das gefiel dem verehrten Herrscher der Unterwelt namens Mictlantecuhtli allerdings überhaupt nicht. Was da wohl der wahre Grund war? Man konnte schon so seine Zweifel daran haben, ob die Begründung,  die er Gregorian und Marian gab, das eigentliche Problem darstellte: 

„ In der Höhle befindet sich eine vom Aussterben bedrohte Ameisenart und deshalb darf diese Höhle niemand betreten.“  Konnte man nun glauben, konnte man aber defintiv auch lassen.  Ernsthaft!  Dieser Mictlantecuhtli fantasierte sich da irgendetwas zusammen. Wie kam der bloß auf so einen Unsinn? Gott der Unterwelt halt, was erwartete man da?  Also jetzt mal ganz ehrlich: Hält das hier irgendjemand für nachvollziehbar, dass die Zwillinge eine derartig bescheuerte Erklärung auch noch glaubten und die Höhle dann aus diesem Grund nicht betraten? Dem war aber so.

Dort bleiben wollten sie aber trotzdem nicht und so zogen sie von Dannen. Ein freundliches Auf -Wiedersehen kam den beiden jedoch nicht in den Sinn, wahrscheinlich schon deswegen nicht, weil sie keinen von diesen komischen Gestalten jemals wiedersehen wollten. 

Wer jetzt meint, dass die Zwillinge  jetzt nach Hause gingen, tja, hat weit gefehlt. Sie schritten  nämlichweiter durch den Wald in Teile, die sie bisher noch nicht erkundet hatten. Dann stießen sie schon wieder auf einen Höhleneingang, welcher jedoch aus Holz war. Gregorian schien der Eingang diesmal von Anfang  geheuer zu sein, sodass er einen Test nicht für nötig befand. 

Sie gingen also in die Höhle. Was fanden sie bereits ziemlich am Anfang der Höhle? Na jetzt seid ihr aber alle neugierig? Also gut: drei Gegenstände, welche Marian als erster entdeckte: „ Sieh mal Gregorian, ich glaube, das hier ist eine Toga.“ Er zeigte auf ein Gewand. Neben diesem Kleidungsstück – eigentlich oder doch uneigentlich für einen Mann – lagen noch eine Armbanduhr und eine Halskette mit einem Amethyst. Gregorian fragte sich: „Wem mögen die Gegenstände wohl gehören?“  „Ich denke einem Mann.“ Marian nahm die Armbanduhr in die Hand und las die Gravur darauf vor: „Henny Stenegall“ „Na, wenn du mich fragst, das hört sich aber nicht so eindeutig nach Mann an.“  „Tatsächlich nicht, aber welche Frau trägt denn eine Toga?“ „Keine Ahnung.“

„ Und was machen wir jetzt? Ich finde, wir sollten den Sachen nachgehen.“ „Was du so findest?“ „Mensch Gregorian! Du schon wieder. Ein bisschen Abenteuer und Detektivarbeit schadet auch dir nicht. Du kannst mir nicht ernsthaft erzählen, dass dich nicht interessiert, wem diese Sachen sind.“ Gregorian wankte noch mindestens fünfmal hin und her: „Doch schon, aber…“ „Kein aber, sondern ein: Jo, auf geht’s .“ „Und was ist, wenn…“ „Ja, ja… wenn ich gestern gestorben wäre, wäre ich heute tot“ „Genau, apropos sterben, was, wenn wir in kriminelle Machenschaften hineingeraten und wir es mit Mord und Totschlag zu tun bekommen?“ „Nicht immer direkt vom Schlimmsten ausgehen.“ 

Gregorian war nicht ganz wohl, aber er ließ sich von seinem Bruder dazu bringen, weiter in die Höhle reinzugehen. Und dann…tja… da standen sie auf einmal wieder dort, wo sie die drei komischen Gestalten zurückgelassen hatten. Gregorian fragte sich direkt: „ Wo sind Mictlantecuhtli und Dionysos und vor allem der tote Ampelos hin?“ „Was ist das denn? Wie ist das möglich? Warum kommen wir hier raus?“  „Es wird gleich dunkel. Wir sollten jetzt nach Hause gehen!“ „Immer wenn es am schönsten und spannendsten ist, sagst du: Ach, ich weiß nicht so recht, lass uns doch  besser nach Hause gehen.“  

„Du stellst mich immer als Langweiler dar, aber dabei bin ich nur vorsichtig. Du wärst schon so manches Mal ohne mich in ernste Schwierigkeiten geraten.“ „Ja, ja, ja! Schau lieber hier! An dem Baum, von welchem der gute Ampelos hinunter gefallen ist, hängt ein Zettel.“ Sowohl Marian als  auch Gregorian lasen sich den Zettel durch und beide schüttelten mit dem Kopf. Der Texte war in einer sonderbaren Sprache verfasst: 

Liebon Bruder,

mih bin nicht sonderlich feinon. So kaltherzig, wie dih mih umgahst, nachvollziebares du dia wahrscheinlich nochnichtmal. Mih traf es schwer, dass du mih unseres gemeinsames Wohnung warfst, dass du mih anschriest, dass ih mih nie wieder lablickao und zuletzt, dass ih darauf achtao, dass unseren beiden Namen nie wieder zusammen irgendwo auftauchent. Leider ist von mir davon ausgehon, dass diesen schweren Verletzungen, dea du mir da zufugst, deinon Absicht erant. Auch wenn sia schwer begreifon ist, habam ih keinon Bruch zwischen uns. Ih treffbam dih gerne wieder, selbstverständlich nur, wenn dih auch damit einverstandenon bist. Wenn du mir einon Rückmeldung gabtest, essem mih dir dankbaron und ih friete mih sehr.

Marian meinte, dass es sich möglicherweise um einen Brief handelt. Gregorian stimmte dem zu. „ Einer von den drei göttlichen Wesen muss den Zettel dort hingehängt haben“, war sich Marian ziemlich sicher. „Muss nicht, aber kann.“  „Wer könnte denn in der Zeit unserer Abwesenheit so alles hier gewesen sein?“ „Ich bin kein Hellseher…“ 

„Aber ich bin das, was man hierzulande einen Hellseher nennt“ „Wer redet da?“, fragte Gregorian erschrocken.  Marian war mucksmäuschenstill. Die Stimme erwiderte: „Ich bin  Melampus und ich kann euch helfen. Dazu müsst ihr aber zunächst in mein Häuschen am anderen Ende des Waldes kommen.“  Marian entgegnete: „Gut und wie finden wir dein Häuschen…“ Gregorian unterbrach seinen Bruder: „ Bist du verrückt, wir können doch nicht einfach irgendeiner Stimme vertrauen. Wer weiß, was das Wesen hinter dieser Stimme mit uns vorhabt.“ 

„Genau Bruderherz! Wahrscheinlich hat dieses mysteriöse Wesen, dem diese Stimme gehört, noch kein Abendbrot gegessen und möchte vor lauter Hunger zwei armselige Jungs verspeisen. Deine Fantasie möchte ich haben, dann würde ich endlich jede Nacht wach in meinem Bett liegen.“ „Red nicht so blöd daher! Das ist überhaupt nicht witzig“ „Das stimmt, das ist nämlich  zum Heulen“  Da meinte die Stimme: „Leider kann ich mich euch jetzt nicht zeigen. Ich kann euch aber versichern, dass ihr mir vertrauen könnt. Dem Herrscher der Unterwelt, also diesem Mictlantecuhtli und dem Weingott Dionysos könnt ihr allerdings nicht über den Weg trauen. Die wollen alle hinters Licht führen. Ich weiß auch noch nicht so recht, was sie jetzt wieder vorhaben.“ „Aber du meinst oder du weißt, dass sie etwas mit uns vorhaben?“, fragte Marian. 

„Definitiv. Folgt einfach dem Sternenstaub auf dem Waldboden, dann erreicht ihr in einer halben Stunde mein Häuschen. Wenn ihr dort seid, kann ich euch mehr sagen.“  Gregorian traute der Stimme überhaupt nicht und überredete seinen Bruder, doch erstmal nach Hause zu gehen. Den Zettel nahmen sie allerdings mit. 

Die Brüder gingen noch einmal durch die Höhle. Sie holten dort die Armbanduhr. Melampus kommentierte das Verhalten der Zwillinge nicht, sondern ließ sich etwas einfallen… 

Nächster Teil :

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